Kultur kann man nur erleben, nicht erlernen
Bücher sind wichtig. Es gibt kaum eine andere Möglichkeit, Inhalte in einer derart umfangreichen und zugleich kompakten Form zu präsentieren. Büchern sind jedoch auch Grenzen gesetzt, und zwar insbesondere immer dann, wenn das zu behandelnde Thema etwas Lebendiges ist. Lehramts- und Medizinstudenten beispielsweise erhalten erst einen realistischen Einblick in ihr zukünftiges Tätigkeitsfeld, wenn sie in Praktika auf den tatsächlich lebenden Menschen stoßen.
Ähnlich verhält es sich mit dem Kennenlernen anderer Kulturen. Es scheint so, als hätte jeder zu jedem Thema eine fundierte Meinung. Doch beginnt man, jemandem auf den Zahn zu fühlen, schwindet dieser Eindruck. Man kann beliebig viele Bücher zu einem Thema lesen, wenn der praktische Bezug fehlt, dann nützt alle Bildung nichts. Die meisten Menschen werden folgenden Eindruck bestätigen können: Jemand, der einige Monate oder Jahre im Ausland verbracht hat, der kommt oftmals ziemlich verändert zurück. Selten ist es zu beobachten, dass diese Veränderungen negativer Natur sind.
Zum ersten Mal bietet sich die Möglichkeit eines Austauschs in der Sekundar-Stufe II. Zumeist ist es die elfte Klasse, in der Schüler die Schule in einem anderen Land besuchen. Nach einem Jahr Auslandsaufenthalt kommen die sprachlichen Fähigkeiten fast denen eines Muttersprachlers gleich. Doch das ist an Vorteilen längst nicht alles. Man eignet sich unbewusst eine Reihe von Kompetenzen an, dies geschieht zumeist unbewusst. In erster Linie betrifft dies die Sozialkompetenz. Bekanntlich nimmt jeder Mensch in unterschiedlichen Alltagssituationen eine unterschiedliche soziale Rolle ein. Jemand, der lange im Ausland war, konnte entsprechend sein Repertoire erweitern. Dies kann im späteren Familien- und Berufsleben äußerst erträglich sein. Außerdem gibt es kaum andere Möglichkeiten, den eigenen Horizont derart fruchtbar zu erweitern.
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